Nacht. Das Haus starrt mich an. Es blickt aus tief in den Höhlen sitzenden Augen zu mir herüber. Es fixiert mich, mich und das Fenster, das mich rahmt und das einzige ist, das noch erleuchtet ist in dieser Straße. Die Laternen beleuchten die marode Fassade nur spärlich, aber der Lichtschein genügt, um die Risse und Falten gut zu erkennen. Vielleicht sogar besser als am Tage. Ein Totenschädel, dessen Gemütszustand nicht erkennbar ist, da die Haut fehlt, die ein Lächeln oder Stirnrunzeln erkennen lassen würde.
Ich halte dem Blick Stand, wir schauen uns an, während die Nacht uns umhüllt, wie etwas das man bearbeiten kann, wie Holz oder Metall. Aus dem man Gegenstände formen kann. Sie ist dicht und schwer wie Blei oder Glas, ohne Einschlüsse, sie ist anziehend und dennoch abstoßend. Vielleicht erinnert sie an etwas, das ich nicht wahrhaben will, um das ich ständig einen Bogen mache, etwas das mich immer begleitet, keinem Ort treu ist, außer diesem Schwarz.
Wie gerne hätte ich Wolfgang Hilbig jetzt hier, einen der grandiosesten zeitgenössischen deutschen Autoren, einen der immer in dieser Düsternis gewühlt hat. Wie gerne würde ich jetzt mit ihm trinken und zu diesem Haus hinüberschauen. Einfach trinken und schweigen. Aber Wolfgang Hilbig ist tot, viel zu früh gestorben und zu Lebzeiten hat er dieser Stadt den Rücken zugekehrt, ist abgehauen und das aus gutem Grund.
Weakerthans füllen jetzt die noch leere Wohnung. Wie lange schleppe ich diese Band schon mit mir herum, wie lange geben diese Klänge mir schon ein Zuhause? Auch dieses Mal. In der ersten Nacht in dieser Stadt